Kennen Sie eigentlich das Gänsereiten?

Ja, wenn in am Rosenmontag in Bochum Wattenscheid an eine blutige Tradition erinnert wird, dann rollen Köpfe. Gänseköpfe, die von Reitern in blauen Kitteln mit der bloßen Hand von den Körpern der hierfür getöteten Gänse abgerissen werden. Inszeniert als lustiges Spektakel, wird hierbei Gänsereiterkönig, wer den Kopf oder den ganzen Hals der sog. Königsgans abreißt.
Das Gänsereiten begründet sich auf eine grausame Tradition aus dem dreißigjährigen Krieg. Es war eines der vielen Übel der auch im Ruhrgebiet umherziehenden Kriegsknechte. Sie hatten auf ihren jahrelangen Kriegs- und Beutezügen meist alle Hemmungen verloren. Raub und Vergewaltigung der Frauen war für sie an der Tagesordnung.

Den blutrünstigen Wettkampf des Reitens nach der lebenden Gans praktizierten sie, um für das Töten von Menschen in Form zu bleiben. Das öffentliche Quälen und Töten wehrloser Tiere half mit, aufkommende Skrupel im Keim zu ersticken. Nur wer die menschlichen Regungen von Mitleid und Tötungshemmung ganz überwunden hatte, konnte der gequälten, flatternden, ängstlich schreienden Gans mit bloßer Faust den Kopf abreißen.

Die meisten Bochumer Bürger reagieren heute mit Ekel und Unverständnis, wenn sie zum ersten Mal vom Gänsereiten hören. Kaum jemand mag glauben, daß solche Rohheiten in einer westdeutschen Großstadt noch heute als Brauchtum gepflegt werden.
Um so empörender ist es, dass auch einige Priester, Politiker und Gewerkschafter zu den Gänsereitern zählen.
Natürlich sollten Sie aus Anlaß des Gänsereitens vor Ort sein, jedoch um die Zuschauer und Gänsereiter wieder auf den Pfad der Tugend zu bringen. Anstatt mit dem Mob bei dieser Leichenfledderei zu grölen, sollten sie den anwesenden Kindern einen rücksichtsvollen Umgang mit Schwächeren und Wehrlosen vorleben.

- Gerne wettern die Politiker bei allen möglichen Gelegenheiten gegen den Rechtsradikalismus, wenn es aber dann darum geht, sich wirklich von den zahlreich beim gewaltverherrlichenden Gänserreiten in Höntrop anwesenden Nazis und dem braunen Umfeld zu distanzieren, fehlt es wie so oft an Konsequenz.

Also Probst Neumann, Oberbürgermeister Stüber sowie Gewerkschafter und Bundestagsabgeordneter Klaus Hasenfratz am richtigen Ort seid ihr beim Gänsereiten, ihr steht jedoch auf der falschen Seite.

 

Bündnis für Tierrechte

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