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Das Ruhrgebiet
Kulturhauptstadt Europas 2010
Kulturhauptstadt und Gänsereiten
Das Ruhrgebiet hat sicherlich viele kulturelle Attraktionen zu bieten, die einer Kulturhauptstadt Europas würdig sind. Viele Gruppen und Initiativen geben sich viel Mühe, um unserem Ruhrgebiet in der Weltöffentlichkeit zu einem positiven Image zu verhelfen. Umso trauriger ist es, daß dieses Image auf der anderen Seite durch einige selbsternannte Brauchtums- Pfleger in Misskredit gezogen wird.
Sozusagen in der geografischen Mitte des Ruhrgebiets, in Bochum, sind barbarische, mittelalterliche Riten bis in die heutige Zeit verwurzelt. In Bochum wird seit dem 17. Jahrhundert einer blutigen Tradition, dem so genannten Gänsereiten, gefrönt.
Die damals während des dreißig jährigen Krieges im Ruhrgebiet lagernden spanischen Söldner haben lebende Gänse an den Beinen aufgehängt und ritten mit ihren Pferden unter den kopfüber baumelnden Gänsen her. Sie griffen nach den Köpfen der vor Schmerz wild zappelnden Gänse und zerrten solange daran, bis die Hälse schließlich irgendwann abrissen.
Und auch im Ruhrgebiet des 21. Jahrhunderts rollen am Rosenmontag bei diesem ekelhaften Kriegstraining in Bochum Köpfe. ---
Gänseköpfe, die von Reitern in uniformen, blauen Kitteln mit der bloßen Hand von den Körpern der hierfür zuvor getöteten Gänse abgerissen werden. Inszeniert wird dieses Treiben nun als lustiges Karnevals-Spektakel, bei dem die Kinder in der ersten Reihe sitzen und zu ihren „großen Vorbildern“ aufschauen.
Mit Gegröle wird anschließend derjenige als Gänsereiterkönig gefeiert, der den Gänsekopf abreißt.
Gänsereiter, aber auch verantwortliche Politiker und Kirchen-Obere verteidigen das Gänsereiten mit der 400 jährigen Tradition.
Doch zu den Traditionen umherziehender mittelalterlicher Kriegsknechte gehörte vor allem das Rauben und Brandschatzen. Vergewaltigungen der Frauen waren für sie an der Tagesordnung.
Werden diese Söldner Traditionen in Bochum bald auch wieder gefeiert?
Den blutrünstigen Wettkampf des Reitens nach der lebenden Gans praktizierten die Soldner, um für das Töten von Menschen in Form zu bleiben. Das öffentliche Quälen und Töten wehrloser Tiere half mit, aufkommende Skrupel im Keim zu ersticken. Nur wer alle menschlichen Regungen von Mitleid und jede Tötungshemmung abgelegt hatte, konnte der gequälten, flatternden, ängstlich schreienden Gans mit bloßen Händen den Kopf abreißen.
Die meisten Menschen aus anderen Städten reagieren mit Ekel und Unverständnis, wenn sie zum ersten Mal vom Gänsereiten hören. Kaum jemand mag glauben, daß solche Rohheiten mitten im Ruhrgebiet, in Bochum, beheimatet sind und noch heute als Brauchtum gepflegt werden.
Die umliegenden Städte sollten ihren Einfluß geltend machen und die Bochumer Verantwortlichen zur Vernunft bringen, um dem Ruhrgebiet tatsächlich zu einem weltoffenen kulturgeprägten Image zu verhelfen.
Denn auch Essen und Dortmund haben noch einiges wieder gut zu machen, da auch hier ähnliche Veranstaltungen erst in den Jahren 2002 bzw. 2003 unterbunden worden sind. Die Verantwortlichen in Dortmund und Essen haben dazu gelernt und mit der üblen Vergangenheit abgeschlossen.
Dortmund hat das Verbot der Tierleichen-Fledderei mit dem Schutz der Kinder vor Gewalt und Gewaltdarstellungen begründet. Und genau dies ist der Punkt, auch beim Bochumer Gänsereiten sind kleine Kinder ganz vorne mit dabei und schauen beim Kopfabreissen der Erwachsenen zu. Sie lernen Gewalt und Gewaltverherrlichung von klein auf.
All dies, was man andernorts verzweifelt versucht, von Kindern fern zu halten, damit ihr Wesen keinen Schaden nimmt, wird im Bochum den Kindern mit Stolz präsentiert und vorgelebt. Schlimmer noch, sie werden praktisch zum Nachahmen aufgefordert.
 
Das Kulturhauptstadt- Jahr 2010 ist nun für das Ruhrgebiet und auch Bochum eingeläutet.
Kulturhauptstadt Europas, das hört sich imposant an.
Aber, welche Art von Kultur wird den Menschen mit solchen Veranstaltungen wie dem Gänsereiten wohl vermittelt? Schlimm genug, daß Politiker, hochgestellte Persönlichkeiten und Erwachsene diesem schaurigen Treiben beiwohnen, aber in vorderster Reihe stehen Jugendliche und Kinder und sehen ihren großen Vorbildern beim Kopf-Abreissen zu.
Wo bleibt das Mitgefühl unseren Mitgeschöpfen und Schwächeren gegenüber?
Mitten im Ruhrgebiet werden Gewaltdarstellungen als kultureller Höhepunkt gefeiert und mit dieser Tradition will man dann im Kulturhauptstadt - Jahr in der ganzen Welt für das Ruhrgebiet werben.
Das Enthaupten von Tieren in unserer Stadt und der Anspruch eine Kulturhauptstadt Europas zu sein, passen nun wirklich nicht zusammen. Mit solchen Traditionen macht man die ganze Region lächerlich.
Stück für Stück wird in ganz Europa der würdelose Umgang mit den Mitgeschöpfen und mit Schwächeren abgeschafft, und in der „Vorzeigeregion“ Ruhrgebiet werden mittelalterliche Riten gepflegt und Gewalt verherrlicht.
In Bochum ist es so zu sagen üblich, daß auch Politiker und Kirchen Obere dem Gänsereiten beiwohnen. So z. B. der frühere Oberbürgermeister Stüber, der SPD Fraktionsvorsitzende Dieter Fleskes, aber auch die Bürgermeisterin Gabi Schäfer. Der ehemalige Wattenscheider Probst Neumann hat sogar eine mehr als sonderbare Abhandlung verfaßt, die das Gänsereiten aus kirchlicher Sicht rechtfertigen soll.
Wie kann man ein von mordlüsternen Söldnern eingeführtes mittelalterliches Kriegstraining in Bochum rechtfertigen?
Und wenn nicht im 18. Jahrhundert der umsichtige Landgraf Herzog Ludwig das Gänsereiten mit lebenden Gänsen verboten hätte, würden die Bochumer Gänsereiter dies heute wohl immer noch mit lebenden Tieren tun. Denn schließlich beziehen sie sich heute immer noch auf dieses 400 Jahre alte Kriegstraining der Söldner.
---- Und hierzu passt auch das I- Tüpfelchen.
Als Gipfel der Perversion wurden in Bochum auch Kinder zu Kopf- Abreissern gemacht. Beim sog. Kindergänsereiten wurden Kinder ab sieben Jahren zum Kopf- Abreissen animiert. Und dieses respektlose Verhalten haben sich nicht einmal die Menschen im Mittelalter getraut, nein, dies ist erst in der Neuzeit in Bochum eingeführt worden.
Ein Viertel-Jahrhundert lang wurden die Höntroper Kinder zum Abreissen von Gänseköpfen animiert und auf die leblosen Tierkörper gehetzt. Erst aufgrund massiver Proteste müssen die Kinder der Höntroper Gänsereiter nun ab dem Jahr 2006 keine Gänseköpfe mehr abreissen.
Doch auch hier ist das Zugeständnis, die Kinder nach Attrappen reiten zu lassen, nur halbherzig und heuchlerisch, denn was ist mit den Kindern, die die Leichenfledderei beim Gänsereiten der Erwachsenen aus der ersten Reihe mitverfolgen? Sie werden weiterhin ihren großen Vorbildern und Vorreitern nacheifern.
Gerade die in den letzten Jahren mehr und mehr öffentlich gewordenen Übergriffe von Kindern und Jugendlichen auf ihre Mitschüler verdeutlichen tagein tagaus, wie fahrlässig es ist, Gewalt- Darbietungen zu verharmlosen.
Wenn beim Gänsereiten die Gewalt unter Gejubel und Gegröle verherrlicht wird, wird sich auch bei den anwesenden Kindern ein Gewaltmuster im Kopf festsetzen.
Es wird höchste Zeit die anwesenden Kinder und die getöteten Tiere vor solcher Gewalt zu schützen und das Gänsereiter-Spektakel mit Tieren endlich abzuschaffen.
Wenn das Ruhrgebiet und die Stadt Bochum es nicht schaffen, ein barbarisches Treiben wie das Gänsereiten abzuschaffen, so wird die Region wohl weniger wegen der kulturellen Errungenschaften sondern vielmehr wegen der Kulturschande im Blickpunkt Europas stehen.
Informationen und Bilder zum Gänsereiten finden Sie auf der Internetseite des Bündnis für Tierrechte Bochum unter www.tierrechtsnetz.de.
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